Sanierung Reihenhaus

Offen für Altes

In Zürich hat eine Familie einen Altbau erworben. Das Reihenhaus im Heimatstil ist nach der umfassenden Sanierung geräumiger und grösser, und hat dennoch seinen historischen Charakter behalten.

Die Faszination für Häuser mit Geschichte gab die Richtung vor.
Die Faszination für Häuser mit Geschichte gab die Richtung vor.
Keine streng definierten Konzepte, eher einzelne Bilder bestimmten die Planungen. Eine Idee, die den Bauherren vorschwebte: eine grüne Küche und bestimmte Materialen. Daraus entwickelte sich im Dialog mit den Architekten ein einzigartiges Ensemble.
Keine streng definierten Konzepte, eher einzelne Bilder bestimmten die Planungen. Eine Idee, die den Bauherren vorschwebte: eine grüne Küche und bestimmte Materialen. Daraus entwickelte sich im Dialog mit den Architekten ein einzigartiges Ensemble.
Die Küche hat sich inzwischen als Zentrum des Hauses etabliert. Der Esstisch dort wird rege genutzt für Gespräche und gemeinsame Stunden.
Die Küche hat sich inzwischen als Zentrum des Hauses etabliert. Der Esstisch dort wird rege genutzt für Gespräche und gemeinsame Stunden.

Im Westen Zürichs liegt eine Reihenhaussiedlung aus den 1920er-Jahren. Die Häuser stehen dicht nebeneinander, mit kleinen Vorgärten und klar gegliederten Fassaden. Sie sind Teil des Spezialinventars der Stadt Zürich. Das bedeutet: Die Siedlung wird als ortsbildprägend eingestuft. Ihr Erscheinungsbild, ihre Struktur und ihr architektonischer Ausdruck sind für das Quartier von Bedeutung. Veränderungen sind möglich, aber sie müssen sich am Bestand orientieren.

Der Anfang 
Die Gebäude entstanden in einer Phase, in der sich der Wohnungsbau neu organisierte. Der Heimatstil griff vertraute Bauformen auf und übersetzte sie in eine zeitgemässe Form. Steile Dächer, verputzte Fassaden, zurückhaltende Details: Die Häuser wirken ruhig und heimelig – genau das macht sie als Ensemble so prägend. Zugleich sind sie Teil einer grösseren Idee: dem Gartenstadtgedanken, der Wohnen im Grünen mit Gemeinschaft und sozialer Durchmischung verbinden wollte.

Eines dieser Häuser wurde von einer jungen Familie übernommen und umgebaut. Der Anlass war pragmatisch und emotional zugleich: Die Familie wuchs aus ihrer bisherigen Wohnsituation heraus, gleichzeitig bestand der Wunsch, in Zürich zu bleiben. Schnell wurde klar, dass kein Neubau infrage kommt. «Wir haben von Anfang an ausschliesslich nach Umbauprojekten gesucht», so die Bauherrschaft. Die Faszination für Häuser mit Geschichte gab die Richtung vor. 

Die originale Substanz war von Beginn an in einem guten Zustand. Fischgrätparkett aus Buchenholz, kassettierte Türen und eine Treppe aus Eichenholz machen den Charakter des Hauses aus. Diese Elemente erhielten lediglich Auffrischungen. Gleichzeitig zeigte sich, dass über Jahrzehnte kaum grössere Eingriffe erfolgt waren – ein Umstand, der sowohl Herausforderung als auch Chance bedeutete. Der Grundriss war kleinteilig, das Dachgeschoss kaum genutzt. «Wir sahen im Dachausbau grosses Potenzial», erinnert sich die Bauherrschaft. 

Planung als Dialog 
Zu Beginn standen weniger klare Konzepte als vielmehr einzelne Bilder im Raum: eine grüne Küche, bestimmte Materialien, eine Vorstellung von Atmosphäre. Erst im Dialog mit den Architekten entwickelte sich daraus ein zusammenhängendes Projekt. Die Bauherrschaft beschreibt den Prozess als strukturiert und zugleich offen: Entscheidungen wurden Schritt für Schritt getroffen, Ideen weiterentwickelt und immer wieder hinterfragt. Das Resultat ist ein gemeinsames Werk – getragen von fachlicher Führung und persönlicher Beteiligung.

Auch der Umgang mit dem Bestand wurde dabei immer wieder neu ausgelotet. Wie viel Veränderung verträgt ein Haus mit Geschichte? Wo soll Neues sichtbar werden, wo tritt es zurück? Die Antworten darauf sind im ganzen Haus ablesbar. 

Alte Substanz, neue Struktur 
Der Grundriss im Erdgeschoss wurde geöffnet. Ess- und Wohnzimmer, die zuvor getrennt waren, verbinden sich nun zu einem grosszügigen Ensemble. Sichtbezüge zum Garten verstärken die räumliche Tiefe. Das ehemalige Bad wurde zu einer Kombination aus Garderobe und Gäste-WC umgebaut. Durch das Versetzen des Kücheneingangs entstand eine klare Achse, die beide Gartenbereiche miteinander verknüpft.

Die Eingriffe bleiben ablesbar. Dort, wo einst die Wand das Parkett unterbrach, wurde die durch den Durchbruch entstandene Lücke mit Zement ergänzt. Eine ruhige, präzise gesetzte Spur – weder kaschiert noch betont, sondern selbstverständlich. Im Obergeschoss wurde durch den Rückbau einer zweiten Küche Raum gewonnen. Ein grosszügigeres Bad mit Ankleide ersetzt die frühere Enge. Die Schlafzimmer blieben in ihrer Struktur erhalten und tragen weiterhin den Charakter des Hauses. 

Das Dach als neuer Lebensraum 
Die grösste Transformation fand im Dachgeschoss statt. Zunächst wurde das Dach energetisch saniert – ein erster Schritt in einer langfristig angelegten Strategie zur Verbesserung der Gebäudetechnik. Der neue Ausbau öffnet den Raum bis zum First. Freigelegte Dachbalken, helle Holzoberflächen und gezielt gesetzte Dachfenster schaffen eine überraschende Grosszügigkeit. Aus zuvor kaum nutzbaren Kammern entstanden zwei Kinderzimmer mit Galerieebenen, ein separates Bad und ein Arbeitsbereich. Der Dachraum wird so zum eigenständigen Lebensbereich. «Der Dachausbau hat unsere Erwartungen klar übertroffen», sagt die Bauherrschaft. 

Atmosphäre und Alltag 
Architektur zeigt sich im Gebrauch. Im Alltag hat sich vor allem die Küche als Zentrum des Hauses etabliert. Der Esstisch dort wird häufiger genutzt als der im Wohnbereich – ein Ort für Begegnung, Gespräche und gemeinsames Leben. Die Räume sind nicht nur grösser geworden, sondern auch anders vernetzt. 

Gleichzeitig bleibt die Geschichte des Hauses spürbar. Die über hundertjährige Treppe ist eines der prägenden Elemente – ein Stück Kontinuität im neuen Gefüge. Auch andere Details, wie Fliesenformate oder sichtbare Strukturen, knüpfen an den Bestand an und führen ihn weiter. Die Einrichtung greift diese Haltung auf. Farben spielen eine wichtige Rolle, sie reagieren auf die verspielte Charakterstärke des Hauses. Der Stil bleibt geradlinig, aber bewusst lebendig. 

Weiterbauen statt ersetzen 
Der Umbau folgt einer Haltung, die über das einzelne Projekt hinausweist. «Weiterbauen statt abbrechen» bedeutet, vorhandene Ressourcen zu nutzen – materiell wie kulturell. Die graue Energie des Bestands bleibt erhalten, Eingriffe erfolgen gezielt und in Etappen. Weitere Massnahmen, etwa an der Gebäudehülle oder der Haustechnik, sind bereits mitgedacht. So entsteht ein Haus, das nicht nur an heutige Bedürfnisse angepasst ist, sondern auch zukünftige Entwicklungen zulässt. Die Siedlung als Ganzes bleibt – ihre Ordnung, ihr Ausdruck und ihre Geschichte.

Die originale Substanz war in einem aussergewöhnlich guten Zustand. Sie musste letztlich nur etwas hergerichtet und aufgefrischt werden.
Die originale Substanz war in einem aussergewöhnlich guten Zustand. Sie musste letztlich nur etwas hergerichtet und aufgefrischt werden.
Beim Umbau wurden so wenig Eingriffe wie möglich vorgenommen. Schön zu sehen ist dieses Prinzip im Eingangsbereich an der his­torischen Holztreppe mit der weissen Verkleidung darunter, der kassettierten Türe und dem Bodenbelag.
Beim Umbau wurden so wenig Eingriffe wie möglich vorgenommen. Schön zu sehen ist dieses Prinzip im Eingangsbereich an der his­torischen Holztreppe mit der weissen Verkleidung darunter, der kassettierten Türe und dem Bodenbelag.
Die grösste Transformation erfolgte im Dachgeschoss, das bis zum First geöffnet wurde. Freigelegte Balken, helle Holzoberflächen und gekonnt gesetzte Fenster schaffen eine überraschende Grosszügigkeit.
Die grösste Transformation erfolgte im Dachgeschoss, das bis zum First geöffnet wurde. Freigelegte Balken, helle Holzoberflächen und gekonnt gesetzte Fenster schaffen eine überraschende Grosszügigkeit.

Mehr Einblicke ins sanierte Reihenhaus gibt es in der Ausgabe 2/26 vom Magazin HÄUSER MODERNISIEREN.

Text: Fiona Scotoni, Fotos: Studio Gataric Fotografie
aus dem Magazin: Häuser modernisieren, Zeitschrift Nr. 2/2026

Artikel teilen

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, welche dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln.

Notwendige Cookies werden immer geladen